Eine Frage, die ich mir als Lehramtsreferendar jetzt schon länger stelle ist: wie bekomme ich es hin, meine sämtlichen Unterrichtsmaterialien unter einer Creative Commons-Lizenz zu veröffentlichen? Im Sinne einer möglichst freien Bildung und Arbeitserleichterung für interessierte Kollegen.
“Einfach eine Lizenz auswählen und veröffentlichen” ist wohl eine erwartbare Antwort, aber damit ist es leider nicht getan. Denn so ohne Weiteres Klausuren (und die dazu gehörigen Erwartungshorizonte) online zu stellen, bedeutet auch, sie der Zielgruppe (also meinen Schülern) verfügbar zu machen. Damit scheidet die Möglichkeit aus, solche Dokumente im Vorfeld online zu stellen, was jetzt nicht unbedingt problematisch wäre, denn es bliebe ja noch eine Veröffentlichung im Nachhinein. Eine Klausur aber zu veröffentlichen, nachdem eine Klasse oder ein Kurs sie geschrieben hat, bedeutet, diese Klausur nicht noch einmal stellen zu können. Im Sinne der Arbeitsökonomie nicht die optimalste Lösung.
An dieser Stelle könnte ich mir natürlich den Vorwurf machen lassen, dass ich als Lehrer ohnehin dazu angehalten bin, stets neue Materialien zu erstellen, aber auch hier darf man es sich nicht zu einfach machen, denn unabhängig davon, dass ein solches, ökonomisches Verfahren durchaus seine Berechtigung verdient (an dieser Stelle möchte ich einfach die Diskussion um “faule Lehrer” nicht haben, da das Thema dieses Posting ein ganz anderes ist), ergibt sich ein noch viel naheliegenderes Problem: eine veröffentlichte Klausur wird auch nur schwer für einen anderen Kollegen brauchbar sein, da sich auch dessen Schüler sehr wahrscheinlich im Netz bewegen.
Ganz anders verhält es sich mit solchen Materialien, die nicht für eine Leistungsüberprüfung herhalten müssen. Im Wiki der ZUM werden bereits jetzt eine Vielzahl an ausgearbeiteten Handouts und Arbeitsblätter veröffentlicht und das Wiki arbeitet mit der by-sa-Lizenz. Aber ich befürchte, dass das nicht allen Nutzern des Wikis auch tatsächlich bewusst ist. Was ich mir wünsche, ist eine Plattform wie jamendo.com oder openclipart.org. Beide Plattformen kommunizieren offensiv den Gebrauch von CreativeCommons-Lizenzen und so etwas hätte ich gerne auch für solche Unterrichtsmaterialien, die zur Leistungsüberprüfung heran gezogen werden können. Das Erstellen von
Erwartungshorizonten verschlingt nämlich sehr viel Zeit, die sicher auch viele Kollegen viel lieber in die Vorbereitung ihres Unterrichts stecken würden.
Aber geht das? Wie lassen sich im Sinne einer freien Bildung, Open Access und überhaupt einer freien Kultur Klausuren o. ä. veröffentlichen, ohne dass ihre Nutzbarkeit eingebüßt wird? Ich habe darauf bis jetzt keine Antwort gefunden und bin dankbar für jede Anregung.



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Zum einen gibt es auch bei proprietären Klausuren das Problem, da Geschwister (oder Schüler mit Kontakt zu älteren Schülern) Zugriff auf vorherige haben (was zusätzlich die Gleichheit verletzt). Andererseits ist wenn der Pool an Klausuraufgaben hinreichend groß die Situation nicht anders als bei den Übungsaufgaben.
Das einzige Problem ist also die Entstehung dieser.
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Der Aufgabenpool ist das Schlüsselwort. Z.B. ist es ja an Unis durchaus üblich, dass – häufig über den Fachschaftsrat organisiert – ältere Klausuren gesammelt und zur Verfügung gestellt werden. Das hilft ungemein, Art und Umfang der Fragen einzuschätzen.
Es muss nur eben alles in allem zu jedem Thema genügend Fragen geben, die in wechselnder Kombination immer wieder neu zusammengestellt werden. Da kann Creative Commons sehr helfen, indem sich LehrerInnen/DozentInnen untereinander austauschen, ihre individuellen Pools also praktisch zusammenlegen.
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Interessante Anregung, das mit dem Pool. Geht aber etwas zu leicht über mein eigentliches Problem (was ich wahrscheinlich selbst nicht klar genug ausformuliert hatte) drüber weg:
das Zeit raubende und Nerven aufreibende sind nicht die Aufgabenstellungen, sondern die Erwartungshorizonte. Zu jeder Klausur, zu jedem Test
verfassen Lehrersind Lehrer im Hinblick auf das Zentralabitur und das dort verwendete item-basierte Benotungsverfahren angehalten, entsprechende, item-basierte Erwartungshorizonte zu verfassen. Und die Früchte solcher Arbeit würde ich am liebsten allen zur Verfügung stellen.Und zwar _allen_: Kollegen wie Schülern wie Eltern wie Studenten wie sonstwie Interessierten. Zwecks Transparenz etc. und hier kommt mein Problem ins Spiel: für eine tatsächliche Verwertung ist die Klausur dann wertlos. Selbst ein hinreichend großer Aufgabenpool kann durchsucht werden. Das Internet z. B. ist ein recht großer Pool und Google scheint seine Hausaufgaben da gar nicht mal so schlecht zu machen.
Moment, da muss ich nochmal was einschieben: anders als oben vielleicht angedeutet, verfassen garantiert die meisten Lehrer de facto Erwartungshorizonte für Tests und Klausuren, ich möchte da also nichts unterstellen. Was jedoch in meinem Umfeld wahrnehme ist ein Mangel an ausgearbeiteten item-basierten Erwartungshorizonten.
Ich bin also immer noch ratlos. Vielleicht ist es aber auch eine absurde Frage: wie kann ich etwas, das nicht frei verfügbar sein darf, um seinen Sinn nicht zu verlieren, dennoch frei verfügbar machen?
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Ich verstehe nicht, was jetzt an den Erwartungshorizonten jetzt besonders ist und nicht in einem Pool gestellt werden können.
Das Problem der Durchsuchbarkeit sehe ich nicht. Die Schüler schreiben ihre Arbeiten offline und haben keinen Zugriff auf den Pool (solange diese keinen netzwerk- oder datenbankfähigen Taschenrechner oder Klopapierrollen langen Spickzettel haben ;-).
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Ich würde an deiner Stelle einfach den Open Souce gedanken zu ende denken, dadurch, dass die Software von jemand anderem mir frei Verfügbar wird, werde ich kein besserer/schlechterer Programmierer.
Sofern es ein System gibt, mit dem die Test(fragen) durchgemischt werden, lässt sich das ganze ja durchaus als Rohmaterial online stellen. Falls es wirklich SchülerInnen gibt, die dann den Pool durchforsten um es bei der Prüfung leichter zu haben, finde ich das das auch eine prüfungsimanente Leistung ist.
(ich gehe hier davon aus, dass dein Erwartungshorizont item-spezifisch ist bzw. annähernd frei kombinierbar)